Inflationswelle Nr. 1 rollt auf uns zu

Gastbeitrag von Markus Steinbeis, geschäftsführender Gesellschafter der Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung in München.

 Inflation ist ein süßes Gift – insbesondere für die, die davon profitieren, wenn andere es schlucken. Dazu gehören in erster Linie die Staaten, die mit langsamer Geldentwertung ihre Schulden reduzieren statt einen harten Schnitt machen zu müssen. Jetzt scheint es so, dass Politik und Notenbanken ihrem Ziel einer höheren Inflation näher kommen. Anleger sollten das sehr ernst nehmen!

„Ich fordere sechs Prozent Inflation für die nächsten Jahre, um die Verschuldungsbombe zu entschärfen“, sagte Kenneth Rogoff, weltberühmter US-Ökonom an der Harvard Universität und früherer Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, im Jahr 2009. Wie wir heute wissen, kam es bislang nicht zu dem von Notenbanken und Politikern sehnlichst erwünschten Anstieg der Verbraucherpreise. Nur die Preise für Vermögensgüter wie Aktien und Anleihen schnellten in die Höhe. Zu stark war der deflationäre Druck, der sich aus den großen Trends Globalisierung, Digitalisierung und Überschuldung ergab.

Notenbanken: Impotent in Sachen Inflation?

Machen wir uns aber nichts vor: Notenbanken können mit Ihrer Gelddruckerei sehr wohl Inflation erzeugen, das Geld muss dazu lediglich in der Realwirtschaft ankommen und dort eine stärkere Nachfrage nach Gütern erzeugen. Ökonomen sprechen davon, dass das von den Notenbanken erzeugte Geld nachfragewirksam wird. Die vom US-Präsidenten Trump geplanten Infrastrukturprojekte und andere massive fiskalpolitische Maßnahmen sorgen genau dafür.

Die Inflation regt sich wieder

Seit dem Sommer 2016 sehen wir immer mehr Anzeichen, dass die brachiale Geldvermehrung der Notenbanken die deflationären Tendenzen letztlich besiegen wird: In den USA stiegen die Verbraucherpreise von 0,0 % im September 2015 auf 2,1 % im Dezember 2016. In der Eurozone schoss die Inflationsrate von minus 0,3 % im April 2016 auf 1,6 % im Januar 2017 hoch. Ein großer Teil dieses Anstiegs ist den höheren Energiepreisen geschuldet, aber eben nicht alles. Zudem befindet sich die Weltkonjunktur mittlerweile in guter Verfassung. So erwarten wir 2017 ein Wachstum der Weltwirtschaft von mindestens 3,5 Prozent. Vor diesem Hintergrund bieten die immer noch extrem ausgerichtete Geldpolitik sowie die wiederauferstandene aktive Fiskalpolitik erhebliches Inflationspotenzial. Zudem beobachten wir, nicht nur in den USA, eine Zunahme des Protektionismus, was die Inflation ebenfalls fördern kann.

Die USA als Wegweiser

Die Vereinigten Staaten könnten in dieser Hinsicht wegweisend sein. Die neue Regierung spricht offen von Strafzöllen und lässt durchblicken, dass sie an einem starken US-Dollar nicht interessiert ist. 2016 wiesen die USA ein Budgetdefizit von bereits weit über fünf Prozent aus. Sollte die Trump-Administration ihre Pläne verwirklichen, würde uns ein Defizit von 8 % im laufenden Jahr nicht überraschen. Eine solche Explosion des US-Budgetdefizits beschwört das Schreckgespenst einer hohen Inflation herauf. Selbst bei einem starken Konjunkturaufschwung würde sich die Staatsverschuldung dann deutlich erhöhen. Die Geschichte liefert genug Beispiele, dass staatliche Verschwendung zu Inflation führt.

Gezeitenwende wird unterschätzt

Aus unserer Sicht mehren sich die Anzeichen einer Gezeitenwende im Auf und Ab von Inflation und Deflation. Nicht Deflation, sondern Inflation wird das Thema der Geldpolitik zumindest in den kommenden Quartalen sein. Da die Zentralbanken dieser Entwicklung kaum oder nur halbherzig entgegentreten werden, spricht vieles dafür, dass die Folgen heftiger ausfallen, als die meisten Anleger derzeit glauben. Wer hier nicht umdenkt, dürfte teuer dafür bezahlen!